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GORI

GORI bringt Dinge aus dem Alltag auf guten Stoff. In seinem Atelier in Zürich Altstetten entwirft er Motive und Sprüche aus dem Alltag und stickt sie auf hochwertige Bio-Baumwollstoffe.

Ich heisse Goran Pavlovic, bin gerade 34 geworden und stamme ursprünglich aus Luzern. Nach meiner Lehre als Elektroinstallateur absolvierte ich einen Bachelor als Wirtschaftsingenieur. Für mein Masterstudium zog es mich nach Zürich. Nach einigen Jahren in klassischen Corporate Jobs in der IT- und Automatisierungsindustrie stellte ich fest, dass ich meine Kreativität stärker ausleben und selbstständig arbeiten möchte. Ich war schon immer ein Tüftler und kreativer Mensch und träumte davon, etwas Eigenes zu erfinden oder aufzubauen. 2021 rief ich deshalb die Kleidermarke GORI ins Leben, um meinen gestalterischen Interessen mehr Raum zu geben. Mitte 2025 konnte ich meinen Bürojob kündigen und widme mich seitdem voll und ganz dem Brand. Mein Hintergrund in der Corporate-Welt und im Vertrieb erweist sich dabei als Vorteil: Ich kann meine gestalterischen Fähigkeiten mit wirtschaftlichem Denken und strategischem Vorgehen kombinieren. Ich liebe es, neue Motive und Sprüche aus dem Alltag auf Stoff zu bringen und zu sehen, wie Kundinnen und Kunden aus der ganzen Schweiz Freude daran haben.

Wann und aus welchem Impuls ist GORI entstanden?
Gegen Ende 2020 überlegte ich mir, dass es irgendwie seltsam ist, dass 99 Prozent der Menschen mit Markennamen auf der Brust herumlaufen – Tommy, Boss, Lacoste und Konsorten. Ich fragte mich: Warum nicht einfach eine Aubergine, einen Pfirsich oder eines der unzähligen Emojis auf einem T-Shirt tragen? So begann ich, mich mit dem Thema Textilveredelung auseinanderzusetzen – und landete schlussendlich beim Sticken.

Wieso hast du dich für das Sticken entschieden und nicht Drucken?
Ich dachte mir: Es muss einen Grund geben, weshalb bekannte Marken ihre Logos auf Polos und T-Shirts sticken und nicht drucken. Schnell wurde mir klar, dass das Besticken als eine der hochwertigsten und langlebigsten Formen der Textilveredelung gilt. Wenn die grossen Marken sticken, dann sticke ich auch, das kann ja nicht so schwierig sein. Allerdings bemerkte ich schnell, dass die Eintrittshürden in die Welt der Stickerei ziemlich hoch sind: Eine professionelle Stickmaschine kostet schnell 10’000 Franken, die passende Software nochmals mehrere Tausend.

Etwas ernüchtert hatte ich das Projekt schon in den Anfängen fast aufgegeben. Zum Geburtstag im Februar 2021 schenkte mir meine Freundin zwei weisse T-Shirts, Sticknadeln, Garn und einen Stickrahmen. Im März begann ich, von Hand zu sticken. Mithilfe von YouTube-Videos hatte ich schnell den Dreh raus. Nach dem Prinzip «Rapid Prototyping» probierte ich einfach aus, ob andere Menschen auch Lust auf solche T-Shirts haben. Unisex-Schnitte, weiss oder schwarz, immer ein kleines Sujet auf der linken Brust. Bald schon bestellten meine Freunde ihre Wunschmotive bei mir und ich stickte für sie von Hand T-Shirts. Statt Tommy und Boss trugen meine Freunde nun Broccoli, Avocado, Gurke und Bierhumpen. Ich brauchte rund zwei Stunden pro Shirt und verlangte nur 39 Franken. Man muss kein Finanzexperte sein, um zu merken: Das war kein gutes Geschäftsmodell…

Heute bestickst du deine Kleider also nicht mehr von Hand?
Nachdem ich an weit über 100 T-Shirts und Caps von Hand bestickt und verkauft hatte, merkte ich, dass es so irgendwie nicht mehr weiterging. Klar, ich verlangte mittlerweile bis zu 69 CHF pro handbesticktes T-Shirt, doch auch dieser Betrag entlöhnte den Zeitaufwand nicht gerecht. Ich entschloss das Projekt für eine Weile auf Eis zu legen.

Nach einer längeren Reise, neuen Ideen und neuem Mut entschloss ich mich das Projekt nochmals in Angriff zu nehmen. Im Februar 2023 entschloss ich mich in eine Stickmaschine zu investieren. Doch statt eine High-End-Maschine zu kaufen, entschied ich mich für eine Haushaltsstickmaschine und arbeitete mit einer kostenlosen Open-Source-Software.

Wie einfach war der Einstieg mit der Stickmaschine?
Viele denken, man könne einfach ein Bild in die Stickmaschine laden und loslegen. In Wirklichkeit muss jedes Motiv in einer Sticksoftware komplett neu aufgebaut werden. Jede Linie und jede Fläche wird nachgezeichnet und mit Parametern versehen, damit die Maschine weiss, wie sie sticken soll. Ich hatte keine Ahnung, wie man eine Stickdatei erstellt oder eine Stickmaschine richtig bedient. Dank meinem Studium wusste ich immerhin, wie man Vektorgrafiken aufbaut – das half mir beim Einstieg.

Woher kommt deine Inspiration?
Die Ideen für meine Motive stammen aus meinem persönlichen Alltag. Ich entwerfe Dinge, denen ich oft im Leben begegne, oder an denen ich besonders Freude habe. Dabei geht es meistens gar nicht um das Objekt an sich, sondern viel mehr um die Erinnerungen oder das Gefühl, das es mit sich bringt. Beim Cervelat-Motiv geht es beispielsweise nicht um die Wurst, sondern um die Momente aus der Kindheit, wenn man auf eine Wanderung ging, einen Stecken anspitzte und dann ungeduldig am Feuer stand und die Cervelat hineinhielt, nur um sich danach den Mund an der viel zu heissen Wurst zu verbrennen. So versuche ich Motive zu entwerfen, mit denen viele von uns Emotionen verbinden.

Was ist das Besondere an deinen Stickmotiven?
Ich lege grossen Wert auf realistische und detailgetreue Motive. Genau das macht meine Arbeit anspruchsvoll. Beim Raclette-Motiv zeigt beispielsweise die Fadenrichtung die Flussbewegung des geschmolzenen Käses. Die knusprige Rinde hat eine andere Farbe, und natürlich dürfen Silberzwiebeli und das saure Gürkli nicht fehlen. Als Gesamtkomposition wirkt das Motiv trotz starker Abstraktion überraschend realistisch. Ich arbeite zudem viel mit Outlines. Dadurch entstehen räumliche Tiefe und Lichtreflexionen – die Motive wirken plastisch, obwohl sie sehr reduziert sind. Was auf meinem Computerbildschirm grosse Details und klare Linien sind, sind in Realität oft nur wenige Nadelstiche.

Was ist die grösste Herausforderung für dich?
Die Herausforderung besteht darin, ein Motiv so weit zu abstrahieren, dass es technisch umsetzbar und stickbar bleibt. In meinen Anfängen mit der Stickmaschine war mein erstes Motiv ein Eisvogel – am Bildschirm gross und detailreich. In Realität waren es 7000 Stiche auf wenigen Zentimetern. Die Nadel brach, der Stoff bekam Löcher, es entstanden Fadennester. Fertiggestellt habe ich das Motiv bis heute nicht. Ich lernte aber daraus, dass Reduktion beim Entwerfen von Stickmotiven einer der wichtigsten Aspekte ist. Und ganz ehrlich; einen Eisvogel auf nur wenige Blautöne zu reduzieren, wäre eine Beleidigung für ein so majestätisches Lebewesen.

Wie lange dauert es bis du eine neue Idee auf den Stoff bringen kannst?
Für ein neues Motiv brauche ich je nach Komplexität etwa einen halben Arbeitstag. An Motiven, wie dem Sprungturm mit den Kindern brauche ich vom ersten Strich am Computer, bis zum letzten Stich an der Maschine fast einen ganzen Tag. Dabei teste ich immer wieder das Stickmotiv an der Stickmaschine und mache kleine Verbesserungen am Computer, bis das Stickmotiv perfekt ist. Auch wenn ein Stickmotiv bereits in der Produktion ist, nehme ich laufend kleinere Anpassungen vor, wenn ich denke, dass es dadurch noch sauberer und hochwertiger gestickt werden kann.

Wo werden deine Kleidungsstücke gefertigt und was ist dir dabei besonders wichtig?
Für meine Kleidungsstücke und Accessoires setze ich seit Beginn, wann immer möglich, auf Bio-Baumwolle. Wobei die Sweater und Hoodies zusätzlich in Portugal gefertigt sind. Qualität, Gefühl und Langlebigkeit stehen für mich im Vordergrund. Wenn möglich, setze ich auf europäische Produktion. Über meine Einkaufskanäle schaue ich immer wieder, ob es bessere, regionalere oder nachhaltigere Produkte gibt.

Welche Motive haben es dir besonders angetan?
Viele meiner Motive sind Lebensmittel – Gemüse, Früchte, Fast Food oder Desserts. Gleichzeitig faszinieren mich Naturthemen wie Pilze, Fische oder Vögel. In letzter Zeit entwerfe ich auch Motive mit Menschen. Mich reizt die Idee Momentaufnahmen aus dem alltäglichen Leben auf Stoffen festzuhalten.

Welches Teil ist bei dir der absolute Bestseller?
Absolute Bestseller sind das Raketenglace und dann die Sprüche: «Angst & Gäld hani kei», «G wie Gurke», «Gugus gsi Gugus geblieben» und natürlich die personalisierten T-Shirts, bei denen man seinen Wunschtext von mir sticken lassen kann. Die Bestseller zeigen auch mein künstlerisches Dilemma: Entwerfe ich Motive, die ich persönlich spannend finde und mit denen ich Erinnerungen teile– oder solche, die eine breite Masse ansprechen und dadurch meinen Lebensunterhalt sichern?

Wer etwas wirklich Einzigartiges sucht, sortiert meinen Shop am besten nach Beliebtheit – und schaut ganz unten. Dort findet man nämlich Motive, die noch nie bestellt wurden. Momentan sind dies der Letzigraben-Sprungturm, Pingpongschläger, Sackmesser, Schokoladentafel oder die Morcheln. Diese Designs habe ich einfach umgesetzt, weil ich Lust darauf hatte.

© Bilder zur Verfügung gestellt von Gori